Cantate

1. Zu derselben Zeit wirst du sagen: Ich danke dir, HERR, dass du zornig bist gewesen über mich und dein Zorn sich gewendet hat und tröstest mich.2. Siehe, Gott ist mein Heil, ich bin sicher und fürchte mich nicht; denn Gott der HERR ist meine Stärke und mein Psalm und ist mein Heil.3. Ihr werdet mit Freuden Wasser schöpfen aus den Heilsbrunnen4. und werdet sagen zu derselben Zeit: Danket dem HERRN, prediget seinen Namen; machet kund unter den Völkern sein Tun; verkündiget, wie sein Name so hoch ist.5. Lobsinget dem HERRN, denn er hat sich herrlich bewiesen; solches sei kund in allen Landen.6. Jauchze und rühme, du Einwohnerin zu Zion; denn der Heilige Israels ist groß bei dir.(Jesaja 12:1-6)

Liebe Schwestern und Brüder, die Lieder und die Musik haben in unserer lutherischen Tradition einen besonderen Stellenwert. Gottes Wort erklingt bei uns nicht nur von der Kanzel, sondern kommt zum Ausdruck in der Sprache der Poesie und der Kunst.Manchmal sagt man, dass unsere Gottesdienste sehr bescheiden und schlicht sind. Dabei erinnert es mich an das berühmte Gedicht von Tjuttschew: Ich mag den Gottesdienst der Lutheraner, Den strengen Ritus, einfach und durchdacht. Die nackten Wände, leerer Kirchen Pracht: Den tiefen Sinn darin, ich hab ihn gut verstanden. Diese Worte beschreiben richtig unsere Tradition, aber nur zum Teil. Unser Gottesdienst soll betonen, dass im Mittelpunkt unseres Lebens Gott und Sein Wort sind. Seine Gnade und Sein Sohn haben die Geburt der Kirche möglich gemacht. Gott ist die Quelle unseres Glaubens und unserer Erlösung.Das Evangelium ist hinreichend und wertvoll und Gott ist ein souveräner Gott. Dieser souveräne, allmächtige, Gott ist auch die lebendige und in Jesus Christus Fleischgewordene Liebe. Seine Liebe ist nicht deklarativ, sondern barmherzig uns wirksam. Unsere Antwort auf diese Liebe kann nur im Glauben und im Geist der Liebe ausgesprochen, gesungen und getan werden. Unsere Antwort kann nur die Antwort liebender Kinder an ihrem Vater sein. Das soll unser Gottesdienst unterstreichen in seiner Struktur und Stimmung. Es gibt Teile des Gottesdienstes, die eher für unseren Verstand geeignet sind. Gott hat uns den Verstand gegeben um zu denken und zu entscheiden, Verantwortung für eigene Taten und eigenes Leben zu tragen. So hören wir die Predigt. Die Predigt ist das Wort Gottes, ausgelegt durch den Prediger, angewandt an den heutigen Tag und gesprochen unter konkreten Menschen. Es ist ein lebendiges Wort und es soll bei den Menschen eine lebendige Antwort hörender Menschen hervorrufen.  Die Predigt ist keine Vorlesung, sie ist Verkündigung des Wortes des wirkenden und zu uns redenden Gottes.Die Predigt ist - wie es der heutige Predigttext zum Ausdruck bringt - Verkündigung des Tuns Gottes unter den Völkern; Andenken seiner Größe.Die Sakramente, Gebete und Segen sind auch wichtige Teile im Gottesdienst. Hier verwirklichen wir das, was der Prophet Jesaja heute sagt: Danket dem HERRN und predigt seinen Namen. Die Liebe Gottes hat die Versöhnung mit Ihm möglich gemacht. Jesus Christus ist gestorben für unsere Erlösung und auferstanden für lebendige Hoffnung. Er ist unter uns immer gegenwärtig. Dafür hat er seine Sakramente eingesetzt. Er erneuert seinen Bund mit uns und erinnert uns: ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.Wenn wir die heilige Taufe feiern, so freuen wir uns mit den getauften und denken an das Ja-Wort Gottes, auf das wir mit unserem ganzen Leben Antwort geben sollen.Einmal geschehen ist die Taufe lebenslang gültig.Wenn wir das heilige Abendmahl feiern, so verlassen uns alle Konflikte, Kränkungen und Eitel. Alle Trennungen zwischen Menschen werden überwunden durch das Folgen der Einladung Jesu Christi. Er lädt uns zu seinem Tisch ein. An diesem Tisch ist er gewärtig, er vereint und versöhnt uns.Wenn wir beten, dann stehen wir vor dem Vater so wie wir sind und vertrauen uns Seinem Willen ganz an. Wir bitten vom ganzen Herzen für uns und für unsere Nächsten, für die Gemeinde und die Gesellschaft in der wir leben. Und wenn wir aufrichtig bitten und vom ganzen Herzen die Erfüllung des Erbetenen wollen, dann gibt uns der Herr seinen Segen und verwirklicht es, und sogar vielleicht macht er viel besser, als das, wonach wir gefragt haben und wie wir es uns vorgestellt haben. Und letztlich gibt es in unserem Gottesdienst die Teile, wo uns die Worte nicht hinreichend und die Seele sehnt sich, das was sie erfüllt zum Ausdruck zu bringen. Dann hilft uns noch eine Gabe Gottes - musikalische Sprachen und Stimme der Kunst. Ein Ausdruck dieser Sprache sind unsere Gesänge. Das ist noch ein wichtiger Teil unseres Gottesdienstes, woran die ganze Gemeinde teilnimmt. Wenn wir gemeinsam singen, werden wir zu einer Stimme des Bekenntnisses, der Demut, der Freude, des Dankes. Außerdem werden wir verbunden mit den vorigen Generationen der Christen, die vor uns diese Lieder gesungen haben und hatte auch das Gefühl der Freude im Glauben erlebt. Wenn wir das Gesangbuch aufschlagen, müssen wir nicht denken, dass wir unbedingt eine Opernstimme haben sollen, um das Choral zu singen. Wir sollen auch nicht denken, dass je aktiver wir singen, desto höher ist die Chance, dass Gott uns erhört. Das Gemeindesingen ist gerade deswegen so schön, dass auch hier der Charakter des Gottesdienstes betont wird: wir  sind vor Gott gleich und alle leben aus Seiner Gnade und Liebe.
Wir singen und hören nicht die fremden Stimmen und nicht nur unsere eigene Stimme, sondern eine Stimme der Gemeinde.Gott hat unserer Kirche großen musikalischen Reichtum geschenkt.Wir wundern uns und staunen, wie die uralten Gesänge auch heute frisch und lebendig erklingen so, als ob sie in unseren Tagen entstanden wären. Genauso viele junge Lieder scheinbar  schon immer existierten. Diese Lieder tönen in uns gleich wie Gotteswort selbst in uns anklingt. Der Herr schenkt uns die musikalische Sprache, damit unsere Freunde im Glauben vollkommen sei könnte. Damit wir für Bekenntnis des Glaubens so ein freies und wunderbares Instrument hätten.  Manchmal fühlen wir, dass vom Glauben wir besser singen, als erzählen können. Genauso erkennen wir, dass vom Glauben ist es besser nicht allzu viel zu reden, sondern nach ihm zu leben.
Der Apostel Paulus hat es sehr deutlich zum Ausdruck gebracht: Christus ist mein Leben.So auch im heutigen Predigttext wird es gesagt: der Herr ist mein Psalm. So möge es sein, dass der Herr zu unserem Lied, unserem Reden und Tun, unserem Leben werde.