PALMARUM

Johannesevangelium 17,1.6-8

1 So redete Jesus und hob seine Augen auf zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist da: verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrliche; 

6 Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. 

7 Nun wissen sie, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir kommt. 

8 Denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und sie glauben, dass du mich gesandt hast. 

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Wir feiern Palmsonntag. Es beginnt die Karwoche. Diese Woche besinnen wir uns der letzten Augenblicke des irdischen Lebens Jesu Christi. Gründonnerstag wird uns an das Mahl des Herrn mit seinen Jüngern erinnern. Karfreitag wird uns den Weg zu Golgatha und Kreuzestod des Erlösers geistlich betrachten lassen. Karsamstag ist von der Erwartung der Auferstehung Jesu Christi von den Toten erfühlt.

Die Karwoche beginnt aber mit dem Palmsonntag. Hier beobachten wir eine gewisse Diskrepanz. Die Karwoche assoziieren wir mit der Erbitterung und Hass der Volksmenge. Vor unseren Augen sehen wir Menschen, die Jesus verspotten, auslachen, bespucken und Er, verblutete und sterbende, sagend: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun”. 

Palmsonntag hat einen völlig anderen Charakter. Hier hören wir das Evangelium über den feierlichen Einzug Jesu nach Jerusalem. Wir sehen den Herrn als König, der in seine Hauptstadt als König eintrifft, wie es verheißen war. Wir sehen auch Menschen, die jubeln und legen die Palmzweige vor seine Füße. So haben wir es im Johannesevangelium 12,12-13 gehört: „Des andern Tages, da viel Volks, das aufs Fest gekommen war, hörte, daß Jesus käme gen Jerusalem, nahmen sie Palmenzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt in dem Namen des HERRN, der König von Israel!“

Jesus als König von Beginn der Karwoche, und als Räuber an ihrem Ende. Menschen als jubelnde und feiernde «Hosianna» am ersten Tag und schreiende: kreuziget am letzten. Das ist die merkwürdige Metamorphose der Karwoche.      

Der Palmsonntag fordert uns auf, in Jesus den König zu sehen. Aber nicht einen König nach menschlichem Standard, sondern einen König nach dem Standard Gottes. Was bedeutet das? Oft möchten wir einen König haben. So ist es einfacher. Denn unter der königlichen Herrschaft verstehen wir die Fülle der Macht über die Entscheidungen und die Verantwortung für alles. Mindestens glauben wir das so. Dabei sollen wir aber verstehen, dass dem König deine Freiheit weggegeben werden muss. Die Freiheit der Wahl und der   Selbstbestimmung. Getauscht haben wir sie gegen die Einfachheit des Daseins. Der Preis dafür ist eigene Freiheit.       

Da wir aber von Königsmacht sprechen, so soll er einigen unseren Vorstellungen entsprechen. Er soll seine Macht fest in seinen Händen halten. Wünschenswert wäre das Andersdenken und zu viel Vielfalt nicht zuzulassen. Er soll dem äußerem wie auch innerem Feind widerstehen können, soll seine Kraft zeigen und Angst und Respekt einflößen. Nicht vergessen die Loyalität und Treue zu fördern. Ein starker König führt Kriege und siegt, benutzt Menschen für seine Interessen und manipuliert die Massen.      

Ungefähr so einen König haben Menschen vor 2000 Jahren erwartet und manchmal auch noch heute. Oft entscheiden wir uns für einfache Lösungen statt den schwierigen aber unerlässlichen Weg zu gehen. Leichtsinnig tauschen wir die höchste Gabe der Freiheit gegen Ideologien und Idolen.

Der König Jesus ist ein König, der seine Schätze den Sündern, Zöllnern, Fischern, Prostituierten, Schwerkranken, Rechtlosen und Einsamen gibt. Es ist ein König, der statt roten Teppich den Weg zu Golgatha wählt. Statt auf Königsthron zu sitzen, hängt er am Kreuz, statt eine Krone zu tragen, wird ihm ein Dornenkranz aufgesetzt. Sein Benehmen entspricht gar nicht den menschlichem Standards der richtigen Königs-Politik. Er missachtet die Elite zu Gunsten konkreter Menschen, mit denen er alles teil, was er hat. Er verbringt die meiste Zeit in der Provinz, nicht in der Hauptstadt. Statt Kasuistik und Populismus benutzt er die schlichte Sprache der Gleichnisse.   Statt Zauberei und Schau, nach denen die Menschen fragten, heilt er die Krankheiten der Menschen, speist die Hungrigen und schenkt den Verzweifelten und Hoffnungslosen wieder das Leben.

Jesus-König ist auch ein König, der betet. Sein Gebet haben wir heute im Predigttext gehört. In diesem königlichen Gebet fasst er seinen irdischen Dienst zusammen. Er sagt, dass er die Hauptaufgabe des Vater erfüllt hat, nämlich ihn mit seinem ganzen Leben zu bezeugen, mit Wort und Tat, ihm treu zu bleiben bis ans Ende. Die Macht des Vater wurde ihm gegeben um dieses Zeugnis zu geben und es seinen Jüngern weiterzugeben. Er zeigte nicht Seine eigene Macht, sondern die Macht und die Wahrheit des Vaters.   

Lasst uns die Wiederkunft Jesu in unserer Zeit, unserer Welt, Land, Stadt vorstellen. Lasst uns einen Menschen vorstellen, der seinen bescheidenen und herrlichen zugleich Dienst im Namen des Herrn trägt. Der den Menschen Gottes Licht, Heil, Glauben, Liebe, Frieden und Hoffnung bringt. Einen Menschen, der mit sich selbst Gott und Seine Herrschaft bezeugt.

Nehmen wir an, dass für diesen Menschen die formale Religion unwichtig ist, ihm sind wichtig die Verhältnisse mit Gott und unter den Menschen. Dass er das Böse, Lüge, Verbrechen und Korruption entlarven wird. Stellen wir uns vor, er wird konsequent und prinzipiell seinen Überzeugungen und seinem Glauben treu bleiben bis ans Ende. Dass es sowohl weltliche als auch geistliche Machthaber ärgern wird. Sehr wahrscheinlich, dass so ein Mensch seine Nachfolger findet, nicht weniger wahrscheinlich, dass er wieder verschmäht wird.

Aber sind nicht dazu die Jünger berufen worden? Hat nicht dazu uns der Herr berufen? Wir sind aufgefordert, Gotteslicht weiterzutragen an die Menschen hier und heute. Wir sollen mit unserem Leben Ihn bezeugen. Mit unseren Glauben und Taten sollen wir Zeugnis geben, dass Gott lebt und den Menschen liebt. Seine königliche Macht steht über aller irdischen. Er ist der König der Könige und der Herr der Herren. Und wenn wir nicht nur permanent über die Ungerechtigkeit in dieser Welt klagen, sondern auch etwas wirklich ändern wollen, dann sollen wir uns dem gnädigen und liebendem König anvertrauen und zu seinen würdigen Jüngern werden!